Die heutige Künstler Gilde St. Lukas - Wien ist eine Selbsthilfe-Organisation von Künstlern aus Europa aber auch aus anderen Kontinenten mit dem Sitz in Wien. Der Schaffensbereich der Künstler umfaßt die Bereiche: Malerei, Grafik, Bildhauerei, Textilkunst, Keramik und Fotografie, also den gesamten Bereich der bildenden Künste.


Gemeinschaftsausstellung in der Fabrik 2004

Die Mitglieder der St. Lukas-Gilde vertreten differenzierende Kunstauffassungen, doch ist allen ein Ziel gemeinsam - die Verwirklichung der Kunst. Künstlerische Feindschaften gibt es nicht in der St. Lukas-Gilde; wir distanzieren uns von den feindseligen Geplänkeln, wie sie leider in vielen Künstlerorganisationen üblich sind. So sind wir die einzigen, die auch nach der Moral der einzelnen Mitglieder fragen und urteilen, wie es die Geschichte der St. Lukas-Gilde uns lehrte.

In einer entmenschlichten Welt, in der die Gegensätze und der Haß regieren, möchten wenigstens die Künstler mit gutem Beispiel vorangehen, um zu zeigen, daß die Kunst, obwohl sie sich heutzutage mehr und mehr prostituiert, noch immer ihre Funktion als Mittler zwischen den Nationen und über die Politik hinaus hat.

Die St. Lukas-Gilde leitet ihren Namen von dem Evangelisten St. Lukas her, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte, und nach byzantinischer Überlieferung das erste Bildnis Christi gemalt haben soll.

St. Lukas gilt als Schutzpatron der Maler der abendländischen Malschulen und Malerbünde und wurde auch häufig im Namen dieser Gilden geführt.

Betrachten wir die historische Entwicklung unserer Gilde, welche auf die bereits im 14. Jahrhundert entstandene Bruderschaft von St. Lukas in Antwerpen zurückgeht. Sie wurde bald zu einer der bedeutendsten Gilden ihrer Zeit, weil ihr unter anderem Künstler wie Pieter Breughel und Peter Paul Rubens angehörten.

1382 Kunsthandwerksvereinigung von Goldschmieden, Silberschmieden, Malern, Glasbläsern, Holzschnitzern und Strickerinnen.

1404 Maler und Holzschnitzer fordern getrennte Freiheiten, was auf ihr wachsendes Ansehen im Kunsthandwerk hinweist. Zum ersten Mal spricht man von der "Gulde".

1434 "Gulde" wird zur "Sint Lukas-Gilde". Man arbeitet in jenen Jahren an der Kathedrale "Onze lieve Vreuw", in der für die St. Lukas-Gilde eine eigene Kuppel geplant war.

1435 Liste mit den Namen aller beteiligten Künstler wird aufgestellt, darunter sind 15 Maler.

1466 Wappenschild mit den drei Malerdekanen wird vorgestellt, es ist dies das spätere Wahrzeichen der Akademie.

1470 Das Beitrittsgeld zur Gilde beträgt 5 Gulden, sowie 1 Gulden für die Kathedrale "Onze lieve Vrouw". Forderung der Gilde, daß den Künstlern der Bürgermilitzdienst erspart bleibt.

1488 Antwerpen wird Europas erste Hauptstadt.

1490 Gilde zählt bereits 212 Freimeister, darunter auch Frauen. Quinten Matsijs ist der erste bekannte Künstler von dem Werke erhalten blieben. Er war der erste flämische Maler, der weder Fürsten noch Herren anerkannte. Sein erstes großes Werk war das Altarbild der "Onze lieve "Vrouw"-Kathedrale, welches zugleich sein Meisterwerk war.

1493 Gilde erläßt strenge Verordnungen, um die Qualität und den Ruf der Kunstschule zu erhalten. So wird z. B. die Dicke des Eichenholzes der Tafelbilder vorgeschrieben.

1505 Errichtung der Gildenkammer. Die "Malerkammer" wird wie folgt beschrieben: Ein zierlich gearbeiteter "Sint Lukas" steht auf einer Kommode an der Wand. An Festtagen wurden Kerzen auf einem kupfernen Leuchter angezündet. Hier gegenüber befindet sich ein Bildnis von "Onze lieve Vrouw der zeven Zeen".

1520 Die Gilde zählt 358 Mitglieder davon 150 Maler. Zusammenarbeit mit der Rednerkammer. Antwerpen war zu dieser Zeit die reichste Stadt Europas. Danach erste Anzeichen eines Verfalls.

1534 Die Mitgliederzahl sinkt ständig. Die Gilde gründet eine Art Sparkasse oder Krankenkasse, die bedürftigen Gildenmitgliedern helfen soll.

1548 Viele fremde Künstler lassen sich in Antwerpen nieder. Zu dieser Zeit war Bruder Franz Floris (1516 - 1570 Antwerpen) der einzige große Meister und Leiter einer großen Werkstadt. Neben seinem Meisterwerk "Der Fall der Engel" produziert er auch zahlreiche mittelmäßige und schlechte Werke. Ebenso wie seine Arbeit war auch sein Leben. Als Alkoholiker starb er in Armut.

1561 großer Erfolg durch das Bild das "Landjuwel" von Maarten de Vos (1532 - 1603 Antwerpen), Schüler von Floris.

1572 wird er Obermeister der Gilde. Unter den Malern befanden sich zu jener Zeit rund 300 Meister. Ein allgemeiner Markt (konstante Ausstellungen) wurde in der Handelsbörse eröffnet.

1576 Während der spanischen Meuterei wird die Börse ausgeraubt . Der bedeutendste Kunstkaufmann Bartolomeus de Moper ging daran zugrunde.

1595 Belebung der Gilde durch Pieter Breughel, genannt der "Höllenbreughel", geb. 1564 in Brüssel, gest. 1683 in Antwerpen.

1619 Durch den Einfluß von Peter Paul Rubens, geb. 1577 in Siegen, gest. 1640 in Antwerpen - Aufblühen der Gilde.

1640 Mit dem Tod Rubens, allmählicher Verfall der Gilde.

1663 Gründung der Akademie Antwerpen.

1809 St. Lukas-Bruderschaft in Wien durch Overbeck, Pforr, Vogl und Hottinger.

1978 Am 10. Jänner wird die St. Lukas-Gilde in Antwerpen wiedergegründet, die den Gedanken der alten Gilde weiterpflegen möchte, nämlich die Interessenvertretung von gemeinsam, kreativ schaffenden Malern, Bildhauern und Graphikern gegenüber der Öffentlichkeit.

Auch in Wiesbaden/ Deutschland wird noch im gleichen Jahr eine Gildenkammer gegründet

1980 erfolgt in Wien die Gründung der St. Lukas-Gilde Antwerpen-Wien, Gildenkammer Wien, mit eigenen Satzungen gegründet.

Im April wird die erste Gemeinschaftsausstellung in Österreich der St. Lukas-Gilde Antwerpen, unter Beteiligung von van Hess Antwerpen, Carlowitz, Reusing, und Umbach von der Gildenkammer Wiesbaden sowie Tamm-Plank, Szloboda und Wirth aus Wien in der Galerie Schumich in Oslip/Burgenland durchgeführt. Gleichzeitig wird Herr Ludwig Gris feierlich in die Gilde aufgenommen. Im gleichen Jahr beteiligen sich 7 Mitglieder beim Kulturforum in Duisburg und im Juli wird ein Kunstmarkt in Dortmund beschickt. Mit gleichen Elan geht es weiter.

Das inzwischen verstorbene Ehrenmitglied Franz Milan Wirth wird der erste Obmann der Künstlergilde. Auf Wunsch der Mitglieder übernimmt Franz Milan Wirth die Redaktion eines Nachrichtenblattes, das er mit 14 Folgen bis Ende 1982 verlegt. Zur Generalversammlung im Frühjahr 1981 konnten 9 aktive Mitglieder der 12 österreichischen Mitgliedern begrüßt werden.

Im September 1981 müssen die Gildenbrüder von Leonhardt van Hess, einem Gründungsmitglied der St. Lukas-Gilde Antwerpen, Abschied nehmen.

Bei der Ausstellung im neurenovierten Kursalon in Mödling wird Vinzenz Szloboda (1909 - 1992) die Ehrenmitgliedschaft des Mödlinger Künstlerbundes zuerkannt und gleichzeitig die Rubensmedaille der St. Lukas-Gilde verliehen.

Franz Milan Wirth organisierte ein MAIL-ART-Projekt, mit dem Titel "Der Platz", zu dem 71 Einsendungen einlangten.

1982 Die Gemeinschaftsausstellung der St Lukas-Gilde im Kursalon Mödling findet in der Presse viel Beachtung. So schreibt die Mödlinger Zeitung: Die Arbeiten vermitteln einen eher unspektakulären, dafür aber um so inhaltsreicheren Querschnitt durch das zeitgenössische Kunstschaffen. Dieter Buck zeigt Aktplastiken, Heinz Umbach Reliefbilder, Henny Tamm Papiercollagen, Vinzenz Szloboda und Franz Milan Wirth zeigen kompliziert, kubisch bzw. flächig verwesentlichte Farbgrafiken. Josef Svoboda mit experimentellen Bildern, Renate Moran malt großformatige Akte. Werner Milec amüsiert sich über die Wohntürme in Alt-Erlaa und Marta Redl zeigt in ihren Ölbildern die Überlebenschance in unserer Betonwelt.

1983 gründen 20 Künstler aus dem In- und Ausland die St. Lukas-Gilde Antwerpen-Wien mit eigenen Satzungen. Werner Milec wird zum Obmann gewählt und führt die Gilde bis 1986.

In der "Modena Art" Galerie von Herbert Walter Herrgöth (1933 - 1984) findet die St. Lukas-Gilde ein Gildenlokal, in dem erfolgreiche Gemeinschaftsausstellungen stattfinden. Leider ist der "Antibürgerliche Surrealist" und langjährige Vizepräsident allzu früh von uns gegangen.

In den nächsten Jahren findet die St Lukas-Gilde im Café Türkenhof und im Atelier Pichler/Spittelberg ihre Bleibe. Unsere damalige Gildensekräterin Doris Baldt startet Mitte 1985 mit einer neuen Zeitung der "Gildenpost", es bleibt aber nur bei einer Nummer.

Die gemeinsamen Aktivitäten in diesem Jahr sind drei Gemeinschaftsausstellungen, ein feuchtfröhlicher Gilden-Gschnas und ein Gildenausflug zu unseren Mitglied Franz Reiß nach Langenlois. Von den vielen Einzelausstellungen möchte ich die "Lyrische Foto Ausstellung von unseren unvergessenen Ehrenmitglied Robert Gaugl (1914 - 1993) erinnern.

1987 übernimmt Dipl.-Ing. Heinz Holzmann die Redaktion der Gildenpost und redigiert sie bis heute. Als neuer Obmann wird Felix Kieninger gewählt. Ab 1992 werden wieder Rubens Medaillen, für Verdienste um die St. Lukas-Gilde vergeben. 1992 dem Galerist und Förderer Helmut Slapansky (Galerie HS/Spittelberg), 1993 dem Redakteur der Gildenpost Dipl.-Ing. Heinz Holzmann Förderndes Mitglied seit 1984 und seit 1989 zweiter Obmann und 1995 Silvia Wichtl, seit 1989 Mitglied, für ihre Verdienste in der Organisation für Ausstellungen und für die Redaktion unseres neuen Gildenkatalogs der kurz vor Drucklegung ist.

Durch die nun regelmäßig erscheinende Gildenpost mit einer Auflage von ca. 500 Stück sind die künstlerischen Aktivitäten der St. Lukas-Gilde bestens dokumentiert. 32 Künstler wurden bis heute mit ihren Werdegang und ihren künstlerischen Schaffen vorgestellt. Die aktiven Künstler treffen sich einmal im Monat, um im Geiste der Gilde gemeinsam künstlerische Aktivitäten zu besprechen und die freundschaftlichen Bande zu pflegen. Die Gildenangelegenheiten werden in Protokollen und Rundbriefen an alle Künstler versandt.

Einen besonderen Dank gilt unseren fördernden Mitgliedern, durch deren finanzielle Unterstützung wir uns erst die Gildenpost leisten können. Die beste Förderung ist und war es durch den Ankauf von Kunstwerken bzw. durch Auftragswerke unsere Künstler zu fördern und ihnen neue Kraft für ihr Schaffen zu geben.

Dipl.-Ing. Heinz Holzmann

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